Lyrik/Prosa

Der Himmel über uns

die Erde unter uns

dazwischen wir

auf der Suche nach der Verbindung


Der stille Morgen hütet die Träume der Nacht

zwischen den Welten


Ich halte mein Ohr an das Weltenherz

und

lausche - lausche - lausche


Sterne funkeln

fallen in die Ewigkeit

erhellen Raum und Zeit


Dieser Haiku wurde ins englische und japanische übersetzt und steht auf der

Website der Haiku International Association

 

Auf dem Schulhof
um das letzte Stück Brot -
zanken Raben

 

in the playground
ravens wrangle / scuffle
for the last chunk of bread


校庭
鴉が最後のパンの欠片を
奪い合う

エリカ・ハンニック


Den stillen Raum betreten

Schatzkammer inmitten der Wandlung



Das Bärenkind

 

Weine nicht, sagte die alte Kröte zur Königin die traurig vor ihr stand und in die Tiefe schaute, vielleicht finden wir deinen goldenen Schuh der unten auf dem Grund des Brunnens liegt. Sie hoffte sehr, sie könne die Königin trösten, denn schon seit vielen, vielen Tagen kam die junge Königin fast jeden Vormittag um 11 Uhr hier her und schaute mit sehnsuchtsvollen Augen in die Tiefe. Oft lief sie um den Brunnen herum, manchmal hob sie ein Steinchen auf und warf es hinunter. Es brach der alten Kröte fast das Herz sie so zu sehen, und heute schien die Königin ganz besonders traurig zu sein. Die Strahlen der Sonne lagen unter dem großen Baum, und der Bär ließ sein dickes Fell wärmen. Er hatte sich gerade seine Pfoten abgeleckt, mit denen er vom süßesten Honig genascht hatte. Jetzt ruhte er und friedlich döste er ein. Er träumte, träumte wie er frohgelaunt dahin wanderte. Neben sich das kleine Bärenkind an der großen Pfote. Sie liebten es beide sehr so zu marschieren, manchmal im Gleichschritt, oder hüpfend von einem Bein auf das andere. Das Bärenkind konnte sich nichts anderes vorstellen, als so mit seinem geliebten Papa die Welt kennenzulernen.  Seit es denken konnte, und das waren schon 3 Bärenjahre zogen sie gemeinsam durch das Leben. In den Wäldern hatten sie viele Freunde und sie fanden immer einen Platz zum Schlafen.

Nun lagen sie wieder einmal bei dem roten Fuchs der oft von den Menschen gefürchtet war, weil er heimlich wenn alles schlief sich ein Hühnchen beim Bauern Wams holte, und es dann genüsslich verzehrte. Der Fuchs verstand nicht, warum die Menschen sich so darüber aufregten, denn sie aßen doch selber die Hühnchen und noch viele andere Tiere. Voll war sein weißer Bauch nun, und schnell lief er noch zum gurgelnden Bach, nahm ein paar Schnauzen voll des köstlichen Quellwassers und legte sich anschließend zu seinen zwei Bärenfreunden. Obwohl er satt und rundherum glücklich war konnte er nicht sogleich einschlafen. Weil man ihn ja auch den schlauen Fuchs nannte machte er sich über viele Dinge des Lebens so seine Gedanken. Warum nannten die Menschen die Tiere oft böse oder grausam?

Es war aber nur die Menschensprache, sie konnten sich nur mit Worten verständigen und die waren oft lieblos. Wir, die Tiere haben viele Möglichkeiten uns miteinander zu verständigen. Wir haben sehr feine Antennen, wir spüren, fühlen, riechen, tasten, schnuppern, singen, quietschen, quaken, brüllen, zirpen, singen, piepsen, und können Vieles mehr um uns Botschaften zu überbringen. Wie armselig ist doch geradezu der Mensch dagegen. Und doch scheint er uns in seiner Überheblichkeit als einen wesentlichen Teil der Welt zu vergessen oder zu missachten. Langsam schlief der Fuchs über diesen gewichtigen Überlegungen ein. So lagen sie da, die drei Freunde, wärmten ihre Pelze in der Nachmittagssonne und träumten so vor sich hin....

 

 

 


Zwischen den Wolken

auf dem Seil meiner Träume

bin ich Tänzerin

 

 



Haiku

 

Auf der alten Schaukel

wippt aus fernen Kindertagen -

leises Jauchzen


Ebbe und Flut

geben und nehmen klärt den Geist

befreit die Seele von alten Lasten fern des Alltags

und die Stille fällt sacht wie eine Feder in meine Seele

fast nahtlos der Übergang zwischen Himmel und Meer

für einen Moment fühlt mein Herz die Großartigkeit der Schöpfung

ich lasse mich in das Schweigen fallen

wo Worte nicht mehr zu finden sind

wo Fühlen zu neuem Erleben wird

und das Ahnen der Unendlichkeit als Wahrheit aufblitzt – bleibt die Essenz

verweilen möchte ich in diesem Gefühl

und den Tod nicht mehr fürchten

 


Den Wind der Leichtigkeit auf meiner Haut spüren, befreien von dunklen Träumen die sich auf die Seele gelegt haben, soll er, sonnengelbes und rosarotes aus der Ferne bringen,

mir den fremden Geruch eines Abenteuers einhauchen und Worte von Liebe flüstern.

Und wenn ich in der Morgenröte den Anker löse, soll er mein Lebensschiff

sachte aus dem Hafen begleiten.


Haiku

 

Abendbrotzeit -

am Ufer des Sees

Entengeschnatter


Einsame Wege gegangen

hinterlassen

tiefe Eindrücke


 

Ich atme dich ein

atme deine Spuren

die du auf meiner Haut hinterlassen hast

spüre die Weichheit deiner zärtlichen Berührungen

ich halte still damit dein Atem mich lebendig macht

ich strahle durch dein liebevolles lächeln

ich fühle dich

umarme dich

bewache dich – verwandle mich

 


 

Drähte Zäune Maschen

Vermintes Land

der Mensch ein Gefangener

seiner Gedanken und Taten

 


 

Am Meer sitzen und schreiben,
Gedanken fließen lassen,
eintauchen in Bilder,
den Gefühlen und Phantasien einen Namen geben
und daraus eine Geschichte entstehen lassen,
Höhen und Tiefen durchwandern,
und der inneren Stimme mehr und mehr Raum geben.
Den Stromschnellen folgen,
rhythmische Klänge mit der Trommel zum Höhepunkt spielen,
Kieselsteine ins Wasser werfen,
den neuen Ideen folgen und der Uhr die Zeit wegnehmen.
Eine Sandburg bauen,
Luftschlösser bewohnen und Rosen züchten.
Beim Weben den Gesang der Wale mit einweben,
den Flusslauf beobachten und still werden.
Das alte Handtuch wegwerfen,
die Hände in den Schoß legen,
ein Märchen erfinden und dabei die Katze beobachten.
Sich hüten wie den eigenen Augapfel,
Perlen beim Gründeln finden,
bunte Glitzersteine auffädeln,
sie in der Sonne wie kostbare Steine leuchten lassen.
Die Daumenschrauben ablegen,
die innere Härte durch Zärtlichkeit
und Sanftheit zum Schmelzen bringen,
Verlorenes wiederfinden,
ein Wort finden das sich auf Liebe und Freude reimt.
Laue Nächte romantisch erleben,
dem Mond eine Gutenachtgeschichte erzählen.
Eine Sonnenanbeterin werden,
tanzen immer wieder tanzen,
und das Wasser des Lebens nach Hause holen.

 

 


 

Angekommen

 

Das Fremde in mir

Heimatlose Gefühle

Weitet das Meer

Wurzeln im Sand verloren

Der Himmel ein Blau des Vergessens

Auf der Suche mit nackten Füßen

Zwischen den Wolken

Vertraute Bilder aus fernen Tagen und Nächten

Treiben auf tosenden Wellen

Ohne Wiederkehr

Momente der Schönheit

Auf türkisfarbener Gischt

Blüten und Früchte

Ein Taumel exotischer Gerüche

Weht der warme Wind

In neu geöffnete Räume

 


 

 

Die Strandläuferin

 

Der neue Morgen schält sich leise aus seinem nächtlichen Kokon, bröckelt, rieselt wie Sand zwischen meinen Fingern. Wellen umtosen den Tag auf Fagamalo. Ich sitze auch heute früh unter meiner schattenspendenden Palme, warte, und bin gebannt vom Schauspiel der Natur. Mein Blick gleitet weit aufs Meer hinaus und verliert sich in der Ferne.

 

Nahtlos geht der Horizont ins Meer über, stülpt sich wie eine zweite Haut über das Wasser. Wellen tosen am Riff, überschlagen sich kraftvoll immer und immer wieder. Seit vielen Tagen bin ich auf Savai’i, auf der größten der Samoa-Inseln, die mir vor kurzem noch völlig unbekannt war.

 

Die Elemente die ihre mächtige Urkraft ausleben, wühlen mich auf, heften sich an mein Innerstes, graben tiefe Schluchten in meine vertrauten Strukturen und der Wind rüttelt und zerrt an meinen Gefühlen. Knarzig und rasselnd raunt er, flüstert und jault auf. Ich suche in der Ferne nach einem fixen Punkt der mir Festigkeit und Halt geben soll, aber alles ist in Bewegung. Kleine Wellen tänzeln mit ihren weißen Kronen, drehen sich wie tanzende Derwische.

 

In den ersten Tagen nach meiner Ankunft möchte ich nur in Ruhe sitzen, will die Hülle nicht zerstören, im Vakuum des Gleichmuts verweilen.

 

Ich denke an die weite Reise die hinter mir  liegt, und staune über meinen Mut diese Reise angetreten zu haben und eine leise Ahnung beschleicht mich, dass diese lange Zeit nicht nur einfach werden wird.

 

Die Kirchenglocken läuten, reißen mich aus meinen Gedanken bringen mich in die Gegenwart zurück, beenden mein träumen.

 

Ich binde mir ein großes Tuch um die Hüften, setze eine Mütze auf und gehe zum Strand. Er liegt mir zu Füßen, zahllose Sandkörner und der Wind verwischt meine Spuren. Eine Strandläuferin bin ich geworden.

 

Mit gesenktem Kopf suche ich nach einer Muschel für den heutigen Tag. Nach kurzer Zeit liegt sie in meiner Hand. Bewohnerin der Meere, ihre harte Schale umspült vom Wasser des Lebens, geboren lange vor meiner Zeit. Die Muscheln, was wissen sie zu erzählen? Ich lausche an ihrer Öffnung und höre das Rauschen des Meeres.Oder bilde ich es mir nur ein? Ich staune über ihre Form und ihr Muster und lege sie zu meiner Sammlung. 

 

Neue Gerüche, wohlriechende Schleier von exotischen Blüten und Früchten liegt über allem. Heimat - dieses Wort beschäftigt mich seit ich hier bin.

 

Wurzeln schlagen an einem fremden Ort, und standfest bleiben. Familie und Freunde, Arbeit, die tägliche Routine und bekannte Wege habe ich für viele Wochen zurück gelassen. Auch wiederholte Worte, Gesagtes schon fast ohne Bedeutung, weil es zu oft zur Rede kam. Einem Schalentier gleich, das Vertraute. Noch kann ich das Gefühlte nicht beschreiben, das sich zaghaft zwischen Heimat und Fremde ausbreitet.Hier bin ich frei von allen Verpflichtungen, aber es gibt wenig äußere Abwechslung die meine Gefühle, die in allen Schattierungen auftauchen, vertreiben.

 

Der Himmel scheint hier über den Wolken zu beginnen, so hoch über mir, kein schützendes Dach nur grenzenlose Weite.

 

Die Einheimischen, deren Sprache ich nicht spreche begegnen mir mit einer Offenheit und Herzlichkeit, die mich anfangs sehr erstaunt. Winkende Kinder wo immer ich gehe, rufen und lachen mir zu. Frauen mit Blüten in den Haaren und junge Männer die ihre Arbeit oft singend verrichten, tragen ihre geflochtenen Palmenkörbe mit Papaya, Ananas, Bananenstauden oder anderen Früchten über ihren Schultern.

Ich schaue dem wiegenden Gang einer Samoanerin nach, die hier in der Wärme dem Rhythmus der Langsamkeit verfallen ist. Wie sie eine rote Hibiskusblüte vom Busch pflückt, ins Haar steckt und gemächlichen Schrittes in ihrem farbenfrohen Kleid weiter geht.

 

Auch ich überlasse mich immer mehr diesem beruhigenden Rhythmus und glaube, die Langsamkeit des Seins wird den Menschen hier auf der Insel in die Wiege gelegt. Hektik scheint ihnen fremd zu sein. Mein Elan wird durch die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit etwas ausgebremst, so habe ich viel Zeit all das Neue in Ruhe zu beobachten, zu lesen, schnorcheln, fotografieren, und meine Spaziergänge zu den Plantagen im dichtbewachsenen Regenwald auszuweiten.

Immer wieder bläst der Wind aus allen Richtungen, bringt heftigen Sturm, peitscht das Wasser auf, jagt Welle um Welle, bis diese sich tosend überschlagen.

Meinen Gang über den Strand setzte ich fort nachdem der Sturm abgeflaut ist, suche wieder nach einer Muschel und anderem Strandgut. Es ist Ebbe und das Wasser weit draußen, die Korallen ragen bizarr aus dem Meeresboden, spitz, so als ob sie sich vor Menschenhand und Füßen schützen wollten, und das Meer riecht intensiv. Ich liebe den Wechsel der Gezeiten, liebe die Ebbe wenn ich weit hinausgehen kann, den Schlick zwischen meinen Zehen spüre, und Schätze finde die das Meer frei gibt.

Ich drehe Muscheln und Steine um, lege mich ins seichte Wasser, schaue aufs Meer hinaus und staune immer wieder über diese so ganz andere Welt die sich hier für mich wohlwollend aufgetan hat.

 

Hier wirft die Nacht ihr dunkles Tuch früh am Abend über den Tag, und bei wolkenlosem Himmel sehe ich zum ersten Mal das sagenumwobene Sternbild 'das Kreuz des Südens'. Der Sternenhimmel über mir, den mir der Himmel zum Geschenk macht. Es ist als ob ich die Milchstraße mit den Händen greifen könnte, so nah ist der Himmel  und das Glitzern und Funklen begleiten mich in den Schlaf.

Die Nächte bringen kaum Abkühlung. Viel Schlaf brauche ich nicht, vielleicht liegt es an den Urkräften des Meeres, und so wälze ich mich manmchmal stundenlang in der nächtlichen Hitze hin und her.

 

Nach einer Nacht in der der Sturm wieder einmal über dem Meer und der Insel tobte, bin ich froh als der Tag anbricht. Die Nächte sind voll fremder Geräusche. Geckos, kleine lustige Gesellen huschen über Wände und Decken, an ihre schmatzenden Geräusche habe ich mich in der Zwischenzeit gewöhnt, nur die Steckmücken sind auch hier lästig...

 

Das Meer und Ich

Das Donnern der immer widerkehrenden Wellen die sich oft meterhoch auftürmen und dann mit gewaltigem Geräusch in sich zusammenbrechen hallt in meinen Ohren, und zuweilen mag ich es nicht mehr hören. Dieses archaische Element das sich hier ohne Einhalt auslebt, lehrt mich Demut, und in ganz stürmischen Zeiten, das Beten um Besänftigung dieser Urkärfte.

Ich habe das Gefühl als ob das Meer immer wieder eine Kruste in mir aufbricht.

Heute nehme ich mir ein Kajak und rudere aufs Meer hinaus, weit hinaus, möchte das Segel hissen, mich einfach treiben lassen, übers Meer hinaus träumen. Ich fühle die Faszination die von diesem Element ausgeht und mein Respekt ist groß.

Das Boot wiegt sachte hin und her und mein Paddel setze ich kraftvoll ins Wasser, bis die Entfernung zum Strand weit genug ist. Dann überlasse ich mich dem Wind, der mich langsam zurück bringt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Themen entdecken ...

Astrologie, Sternenbild, Tierkreiszeichen
Lyrik/Prosa
Fotopoesie
Blog, Gedanken beim Blick aus dem Fenster