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Novembersonntag

Ums Haus zieht wieder der Morgennebel. Krähen schwärmen aus, und der Graureiher weicht nicht von der Stelle.

Die Aussichten sind trüb, doch ich sitze gemütlich im Warmen und meine Gedanken lasse ich in die Weite ziehen.

Jetzt ist es abends schon um halb sechs dunkel und ich schwanke zwischen 'ich mag es'und 'ich mag es nicht'.

Mein Laufen am Abend wird somit weniger und die Bewegung in der Natur fehlt mir in den dunklen Monaten.

Doch liebe ich auch die Zeit des Kerzenlichts, am Abend ein Buch lesen um die Stille zu genießen.

Nichts mehr müssen, sitzen und loslassen. Manchmal ist es nicht einfach das Loslassen auszuhalten,

doch ich spüre wie wohltuend diese Zeiten sind.

Wenn ich in meiner geliebten Allee laufe, rascheln die Blätter unter den Füßen, die Kastanien sind alle

aufgesammelt, Kinder basteln Figuren, oder sie liegen einschmeichelnd in den Händen der Erwachsenen.

Samhain, oder Halloween ist vorbei, die Kürbisse leuchten noch vor den Türen und die Kinder haben ihre

Taschen voller Süßigkeiten nach Hause getragen. Allerheiligen und Allerseelen sind auch vorüber,

und wir erinnern uns der Verstorbenen, ein uralter Brauch, es heißt; in dieser Zeit sind wir der 'Anderswelt' näher.

Vor einigen Wochen war ich zu einer Lesung in der Klosterkirche - 'die dunkle Stille', es wurde der Text eines sehr

jungen Mönchs aus dem 15. Jahrhundert gelesen. Ich war unendlich berührt, es ging um die Liebe, die Liebe zu Gott,

die Sehnsucht des Menschen, gehalten und geborgen zu sein. Immer wieder findet mich etwas,

was meine Seele zu tiefst berührt, sie weitet.

Heute Nachmittag werde ich ins Konzert gehen, mich von Mozarts Musik davontragen lassen, bevor morgen

wieder die Schule beginnt und die Kinder mit viel, sehr viel Elan aus den Ferien zurück sind. Das ist auch wieder eine Bereicherung, diese unbändige Lebendigkeit und Offenheit mit der sie unterwegs sind, und mich mitnehmen.

 

Viel Schönes und Erheiterndes wünsche ich uns Menschen in der dunkleren Jahreszeit.